Kunst als Wissenschaft
u/o Mütter und die Geräusche



von Gerald Lind

 
  Beim Blättern in Büchern über Ästhetik hatte ich immer das unbehagliche Gefühl, ich lese die Werke von Astronomen, die niemals die Sterne betrachtet haben.
— Jorge Luis Borges


Was für eine Welt müsste das sein, wie müsste sie aussehen, damit sie von Rechts wegen dem wissenschaftlichen Wissen unzugänglich wird?
— Quentin Meillassoux


Ich halte das vorweg unverfälscht zugelassene inwendige Aufwallen für eine taugliche Grundstrategie der Erkenntnisfindung und -absicherung.
— Bertl Mütter

 
INTRO VERSION

Es ist kein Zufall, dass ich über Bertl Mütter (ab jetzt "BM" sowie "MB", "M", "B", "Mütter" oder "Bertl Mütter", niemals aber "Herbert" oder "Bert Mütter") und (ab jetzt bisweilen "&")1 seine Kunst schreibe. Deshalb tue ich auch gar nicht so, als ob ich ihn nicht kennen würde & ganz objektiv & gestreng & kritisch &swff. wäre. Ich bin natürlich nicht objektiv, was BMs Kunst betrifft. Genausowenig wie ich das bei meiner eigenen Schreiberei bin. Oder wie es irgendwer sonst bei der künstlerischen oder wissenschaftlichen oder sonsteiner Tätigkeit von sich selbst oder irgendjemand anderem ist. Deshalb gleich und vorneweg: Ich mag, was M mit seiner Posaune & seinem mut!horn und seiner Stimme macht & ich mag auch, was er in seiner Dissertation — die er eine "Schule des Staunens" nennt — macht & ich mag deren Titel "Das Geräusch-das-man-macht-bevor-man-anfängt-zu-dichten" & ich mag, dass dieser Titel aus Alan Alexander Milnes (von Harry Rowohlt übersetztem) Theorieklassiker "Pu der Bär" stammt.2
Ich mag das alles, dieses wilde Ding, diese Text-Bild-Ton-Bricolage, die vorgeblich und tatsächlich um das "Suchen Finden Erfinden Entdecken des Klangs" kreist, & die Auftritte von BM (die auch so um alles Mögliche und Unmögliche kreisen), weil sie mich anregen. Zu dem, was Sie (s. dazu Fn 36) gerade lesen, zum Beispiel. Was es nun ganz genau in diesen Werken und diesem Werken ist, das mich anregt? Nun, zuallererst ist es die Respektlosigkeit. Sie ist für mich der Ursprung jeder künstlerischen Auseinandersetzung. & damit meine ich hier vor allem Kunst machen.3 Deshalb fügen wir (das heißt ich & ich und noch einmal ich, wie das in objektiven wissenschaftlichen Analysen so üblich ist) hier eine4

INTROSUBVERSION

ein: Neil Gaiman schreibt in seinem kleinen Büchlein (und sagte im Mai 2012 in seiner kleinen Rede vor Graduierten der University of the Arts in Philadelphia)5: "The rules on what is possible and impossible in the arts were made by people who had not tested the bounds of the possible by going beyond them." Und weiter: "If you don't know it's impossible it's easier to do."6 Für mich heißt das: Respekt vor dem, was andere als Wissenschaft oder Kunst oder die Wissenschaft von der Kunst verstehen, definieren & lehren, ist nicht angebracht, so man selbst mehr sein möchte als ein bewundernd (ein)nickendes Kunstgroupie oder, schlimmer, eine Qualifikationsopportunistin7 (wie im Übrigen jede Person zu sein hat, die eine formale Qualifikation erlangen möchte). Dies heißt keineswegs, dass man sich nicht mit der Geschichte von Literatur, Musik, Kunst etc. beschäftigen sollte. Im Gegenteil, das sollte man so intensiv wie nur möglich tun. Jedoch sollte dies nicht unter bedingungsloser Aneignung vorgegebener Deutungsregeln gemacht werden.
Denn jede noch so genaue Analyse mithilfe einer bestimmten Methodologie dient letztlich nicht der Befreiung eines künstlerischen Artefaktes, sondern seiner Domestizierung. Oder mit Susan Sontag gesprochen: "Wirkliche Kunst hat die Eigenschaft, uns nervös zu machen. Indem man das Kunstwerk auf seinen Inhalt reduziert und diesen dann interpretiert, zähmt man es."8 Und weiter: "Sie macht die Kunst zum Gebrauchsgegenstand, der sich in ein geistiges Schema von Kategorien einordnen läßt."9 Und noch weiter: "Heute geht es darum, daß wir unsere Sinne wiedererlangen. Wir müssen lernen, mehr zu sehen, mehr zu hören und mehr zu fühlen."10 & schließlich: "Statt einer Hermeneutik brauchen wir eine Erotik der Kunst."11

Mit Sontag sind Bertl Mütters Arbeiten also "wirkliche Kunst": Sie machen nervös, sind subversiv und (wirken auf manche)12 gefährlich. Gerade auch deshalb, weil sie tief mit der Musik- & Literaturgeschichte verbunden sind, aber eben nicht auf eine musikwissenschaftliche oder auf eine im doppelten Sinne klassische Weise, wie sie an den künstlerischen Bildungsanstalten vermittelt wird. Vielmehr sind sie es auf eine respektlose13 Weise, die häufig in einen hörenden und fühlenden = sinnlichen Dialog mit zum Beispiel Schuberts "Winterreise" oder Mahlers "Kindertotenliedern"14 tritt — und so etwas Neues erzeugt.15 Keine mumifizierende, hermetische Hermeneutik ist da also am Werk, sondern tatsächlich die Sontag'sche "Erotik der Kunst". & das regt mich an, mindestens. Doch spreche (sensu schreibe) ich hier von Mü.s Kunst. Sontag aber meint mit "Erotik der Kunst" ja eher die wissenschaftliche (kunstkritische) Beschäftigung mit Kunst.
Nun ist das "Geräusch" aber als Dissertation approbiert worden und also tatsächlich ein Projekt, das beides ist: Erotisierend-anregende Kunst & "Erotik der Kunst". Genau deshalb überschreitet es die weiter oben eingeführte binäre Oppositionierung zwischen dem respekt- = regellosen (zumindest im pseudoobjektiv präskriptiven Sinne)16 Kunstmachen und dem in letzter Konsequenz domestizierenden Lehr- und Forschungsbetrieb an Universitäten/Hochschulen/Higher Education Institutions (ab jetzt nie "HEI"). Bertl selbst denkt diesen Versuch einer verbindenden Überschreitung17 zweier vorgeblich (s. Interexplikussion) doch so unterschiedlicher Regelsysteme ganz im spielerischen und (zum Teil selbst)ironischen Gestus des gesamten Werkes: "Natürlich haben hier und da Kunst und Wissenschaft verschieden große Anteile; gerade dort, wo diese ineinander übergehen (eine Art Wechsel des Aggregatzustands), ist es am aufregendsten. Dass ich demgemäß insgesamt keine Trennlinie zwischen einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Teil ziehen will und kann, liegt also in der Natur der Sache: Man ist ja nicht tagsüber Wissenschaftler und nachts Künstler (oder umgekehrt)."18 Man könnte bei "Geräusch" also von "Wissenschaft als Kunst" sprechen, womit die Überleitung zu einer


INTEREXPLIKUSSION19

notwendig wird. Denn "Wissenschaft als Kunst" ist der Titel eines Buches des wissenschaftstheoretischen Anarchisten20 Paul Feyerabend. Die wesentliche These Feyerabends in diesem Buch ist, dass "künstlerische Verfahren [...] überall in den Wissenschaften vor[kommen] und besonders dort, wo neue und überraschende Entdeckungen gemacht werden."21 Mit künstlerischen Verfahren meint Feyerabend nun eben das, was ich weiter oben ausgeführt habe: Das Ignorieren von Regeln, auch und gerade aus epistemologischen Gründen, weil "es keine Tradition gibt, auch nicht in den Wissenschaften, die sich ausschließlich und immer an die angeblichen Ordnungsprinzipien hält: die Vernunft ist nur selten vernünftig."22 Intuitives, ja vielleicht sogar irrationales Herangehen an Problemstellungen ohne Rücksicht auf methodologische Kanonisierungen, akademische Hierarchien & Autoritäten23 führt also zu wissenschaftlichen Neuentdeckungen oder gar Revolutionen.24 Auf gut Deutsch heißt das: Frechheit (= Respektlosigkeit = künstlerisches Risiko25) siegt. Doch wenn man nun Wissenschaft als Kunst verstehen kann, dann ist sicherlich auch das Gegenteil möglich (Feyerabend denkt das übrigens an, vgl. Wak, 78), nämlich — nur als Beispiel — Literaturwissenschaft im Sinne von Literatur als Wissenschaft (= Form der Weltaneignung) zu verstehen. Trotz aber Versuchen wie jenem von Bertl Mütter gilt nach wie vor, dass die "Wissenschaften als eine Erkenntnispolizei verwende[t werden], die 'unwissenschaftliche' Ansichten beseitigt, ohne von ihnen berührt zu werden."26 Oder noch einmal ganz anders formuliert, aber mit demselben Geiste (= meinem) gedacht: Für Max Weber ist Wissenschaft "die Entzauberung der Welt".27 Für mich ist Kunst die Verzauberung der Welt. Bertl Mütter ist deshalb für mich ein Zauberer mit einem unlösbaren Problem: Da er das "Geräusch" letztlich doch einem — wenn auch im Vergleich mit nicht-künstlerischen Universitäten viel weniger engstirnig-restriktiven — Begutachtungsverfahren an der Kunstuniversität Graz unterwerfen musste, musste er gleichzeitig zaubern und entzaubern. Doch das tut er nicht, er tut nur so, als ob er das tut. Denn da sein Werk ja eine Reflexion des eigenen Schaffens sein soll, würde eine Entzauberung dieses Schaffens letztlich auch den Zauber des Geschaffenen berühren. Deshalb erscheint mir diese ganze Mütter'sche Arbeit letztlich auch ein sehr kunst- & geistvolles Ausweichmanöver zu sein, das sicherlich auch viele Hinweise zu BMs Schaffen gibt (z.B. im Teil "Lecture-Perfomance — Irrtum in der Kunst"), dieses letztlich aber nicht erklären will. Weil erklären domestizieren heißt (s. oben). Oder, vielleicht trifft das den Punkt eher: Weil es nicht vollständig erklärbar ist. Und Mütter das — ganz typisch — intuitiv erfasst hat. Weil er genauso auch bei der von ihm so virtuos beherrschten Improvisation vorgeht, denn, wie er einmal zu mir gesagt hat: "Ich mache mir keinen Plan, halte mich aber immer daran." In "Geräusch" heißt das dann: "Ich bin inkonsequent. Aber nicht immer."28 Doch schweife ich ab, zu sehr, viel zu sehr sogar,29 weshalb jetzt aber wirklich ein


INTERLUDIUM ad Geräusch

notwendig ist. Denn eigentlich sollte dieser Text ja ein Aufsatz zum Heftthema "Geräusch" sein. Zumindest habe ich den Mitherausgeber Matthias Schmidt damit gelockt. Nur hat es sich beim assoziierend-notierenden Lesen & beim anschließenden nicht-selbst-domestizierendem Schreiben30 ganz & gar anders ergeben. Zum einen liegt das wohl daran, dass mich all die bisher angeführten Aspekte von Mütters Arbeit persönlich berühren, sie regen mich (s. o.) an, zu eigener Denk- & Schreibarbeit. Hingegen bin ich kein Musiker (und gottlob auch kein Musikwissenschaftler), auch wenn mich zehn Jahre lang die Klarinette quälte + ich ihr das eine oder andere Geräusch zu entwinden vermochte. Von der für Mütter sehr wichtigen klassischen Musik habe ich mich lange ferngehalten, was nicht mit der Musik, sondern mit dem Publikum in Opern- & Konzerthäusern zu tun hatte, das ich ganz im Sinne John Lennons31 für ein Arschlochpublikum gehalten habe. Dennoch versuche ich nun aber, auch etwas Differenziertes zum Geräusch im "Geräusch" zu sagen. Sehr gut eignet sich hierfür meines Erachtens jene sich auf CD D (Track 4) befindende Kompilation der Titel gebenden Geräusche, die man nun einmal macht (oder auch nicht), bevor man anfängt, zu dichten. Mütter hat in diesem Kontext 22 Geräusche aufgenommen, jedenfalls gibt er das so an, vielleicht sind es auch nur 21 und das 22. kann man sich selbst denken oder es sind 23 oder wie auch immer. Das Anhören dieser Geräusche evozierte bei mir jedenfalls folgende Reaktion: Lachkrampf. Was mich zu einem weiteren


INTERLUDIUM (= weiteres Interludium heißt Interludium 2, da aber schon die Einleitung mit "weiteren" erfolgte, würde die Anführung der Ziffer 2 außerhalb der Klammer bedeuten, dass es sich hier um ein weiteres Interludium 2 handeln würde, wiewohl es sich ja nur um ein weiteres Interludium, nämlich das 2., handelt)32 führt. Einem Interludium über den Spaß nämlich. Ja, den darf man haben. In der Kunst, das wird vielleicht noch manche zugeben. Aber "O du fröhliche, o du selige Wissenschaft?" Das Lied geht wohl ein bisschen anders, der Text von Nietzsche auch. Aber herrscht denn an unseren höheren Lehr- & Forschungseinrichtungen ein Spaßverbot? Mit Sicherheit! Wer anderes behauptet, war noch nie in einem Hörsaal (was auch gar nicht schadet, im Gegenteil: O Wissenschaft, o Schutz vor ihr!) und Ausnahmen bestätigen &sw. Aber warum ist das so? Nun, kompliziert gesagt: Adorno schreibt in seinem Aufsatz "Tabus über den Lehrberuf", dass Lehrerinnen ein Problem damit hätten, ernst genommen zu werden, weil sie mit einer Gruppe arbeiten, die auch niemand ernst nimmt: mit Kindern. Da ist es dann nur logisch, dass jemand, der auf irgendeine Weise Spaß mit Wissenschaft kombiniert, von akademischen Kreisvögeln schafäugig bestarrt wird: Wer witzig ist, kann nicht seriös sein. Mütters Motto hingegen lautet: "Serious Fun" (vgl. Fn 39). Die Angst der Bildungs(ehrfurchtserstarrungs)bürger vor M33 ist also berechtigt. Denn heilig in ihrem Sinne ist dem Posaunenblasphemiker nichts.34 Aber was ist das nun eigentlich: "Serious Fun"? Relativ sicher ein Oxymoron, defecto contradictio in adiecto. Was immer dieses "defecto" genau heißen soll.35 Jedenfalls ist es Mütter mit dem Spaß Ernst. Weshalb er keinen Unterschied zwischen E und (= &, ab jetzt "und") U macht.36 Wie sich bei "dsudl" zeigt.
Definitionen/Operationalisierungen/Eschato-Epistemo-Logien/Aporien ad "dsudl":
1. "dsudl ist mein Herzstück."37
2. dsudl ist ein Akrostichon.38
3. dsudl ist eine Komposition, die das schwere (den Ernst) und das leichte (den Spaß) zum Thema hat.
4. "dsudl sei sinnlich lustvolles forschen, kunst als (fröhliche) wissenschaft laute(t) die devise, serious fun".39
5. "dsudl (eine begriffserklärung — gar lösungen — kann es garnicht geben!)"
Die Partitur für "dsudl" ist in ihrer strengen Ignoranz gegenüber allen Notationsregeln bei gleichzeitiger (nicht-intersubjektiver) Genauigkeit in der Festlegung des zu Spielenden ein Schauwerk für sich.40 Aus der selbstkritischen Nachbetrachtung (Geräusch, 133 f.) der Uraufführungen (jene bei der Styriarte 2011 ist nachzuhören auf CD I) jedenfalls wird deutlich, wie sehr BM auch gegen sich selbst riskiert mit dem "grundlegende[n] Prinzip meiner Art des Komponierens" = "große Eigenverantwortlichkeit der Interpreten (Übersetzer)".41 Aber Freiheit und Feigheit vertragen sich nicht gut, Mut und Mütter aber schon. Doch wird es nun wirklich Zeit, überzuleiten zu einer, wie heißt das noch einmal gleich,


INTERDIKTION, INTRODUKTION, INTRODIKTION, INTERMISSION, INTEREMISTOTATION, INTERTRANSDIKTION, INDERTRANSDIKTION, TRANSDILETTANTION, INTERINTERTRANSTRANSDIKTION, INTEREMISTO(OHNEION), INTERMITTENDIEREN, INTERMITTENDRINNEN, INTERMITTENDRINUNDDRANUNDDRAUF&DRINUNDDRAN+DRAUF, TRANSDRAUF, INTERTRINSTRANSDRAUF, TRAUFTRANSDINGSDRINGSSAUFDRAUFHÖRAUF, TRANSDINGSAUFAUS, TANZTRANSIT, TRANSDANCEIT, TRANCESCENDIT, ITSCENTSNIT, NIT. IT. IT NOT. Sondern

OUTROVERRRRRSION, das meinte ich. Also: Nun könnte man, nach all dem Geschriebenen, meinen, ich würde mit allem Mütter'schen übereinstimmen. Und hätte einen arschkriecherischen Text geschrieben, um das zu beurkunden. Wer das meint, soll das meinen (& den Text noch einmal lesen, subito!). Ich selbst erachte Widerstand ohne Widerstand als zwecklos. Genauso wie Dissidenz ohne Dissens. Nur ging es mir hier um das, was B und mich eint oder was ich zumindest ganz egoistisch in seine Arbeiten hineingelesen habe: Transgression, Non-Konformismus, Dissidenz, Ungehorsam. Widerstand gegen die "Erkenntnispolizei" Wissenschaft, gegen die Deutungsregime der (Kunst-, Literatur-, Musik-)Betriebe, gegen die Domestizierung und Einhegung von Kunst und Wissenschaft. Kurz gesagt: Es ging und geht um nichts weniger als die Überwindung akademisch eingelernter qualifikationsopportunistischer Epistemologieregel- & Regelepistemologieobedienz. Oder mit Bertl Mütter gesprochen: "Es gilt, Korsette zu sprengen."42 Wie Das-Geräusch-das-man-macht-wenn-man-Korsette-sprengt klingt? Es wird schon nicht weh tun. Quod esset demonstrandum.



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1 Diese Schreibweise erfolgt ohne besonderen Grund. Allerdings ist sie kürzer und damit platz- & zeitsparender.

2 Ergänzende Absicherung der hier inszenierten Subjektivierung: Ich mochte auch den scheißdraufapokalyptischen LeseundGebläseabend, den B und ich am 13. September 2013 ab 20:13 bestritten haben, & yes, indeed, es freut mich, dass Gerald Lind (bis & ab jetzt: ich) in drei (B, E & R) der insgesamt elf (aber das ist relativ) Teile (in folgender Reihung: BERTLMÜTTER) von "Geräusch" (ab jetzt nicht mehr "Das Geräusch-das-man-macht-bevor-man-anfängt-zu-dichten. Vom Suchen, Finden, Erfinden, Entdecken des Klangs. Dissertation zur Erlangung des akademischen Grads Doktor artium an der Kunstuniversität Graz, 2013". Weitere bibliophile Details in Fn 40) vorkommt.

3 Im weitesten Sinne sowohl als künstlerische Form der Weltaneignung wie auch als eine bestimmte Art (im doppelten Sinne) der Aneignung von Kunst verstanden. Mit Borges gesprochen: "Manchmal neige ich zu der Überzeugung, daß die guten Leser noch geheimnisvollere und seltenere Vögel sind als die guten Autoren." Und weiter: "Lesen ist jedenfalls eine Tätigkeit, die dem Schreiben den Vortritt läßt: sie ist entsagender, höflicher, intellektueller." Beide Zitate in: Jorge Luis Borges: Niedertracht und Ewigkeit. Erzählungen und Essays 1935-1936. 2. Aufl. Übersetzt von Karl August Horst und Gisbert Haefs. Frankfurt am Main: Fischer 2003 (Jorge Luis Borges: Werke in 20 Bänden. Hg. von Gisbert Haefs und Fritz Arnold. Bd. 3). S. 11. Aus welchem Text innerhalb dieses Sammelbandes die Zitate stammen, führe ich aus Platzgründen nicht an. Obwohl dieser Satz auch nicht länger ist, als es die Angabe des Texttitels gewesen wäre. Aber jetzt steht es schon so da und kann nicht mehr geändert werden.

4 Zitate, die sicherlich ganz gut in Into Version gepasst hätten (aber, wie empirisch belegt werden kann, trotzdem nicht in IV enthalten sind): "Kreative Verstörung ist ein Grundprinzip meines Arbeitens, allzuviel ist nämlich schon zerordnet und gegliedert worden." (Geräusch, 7) "Ich kann es ja doch nicht kontrollieren — und will es auch nicht." (7; ab jetzt "eben da" — das übrigens ab jetzt als "ebda." —, wenn ebenfalls 7 und keine andere Seitenzahl gemeint ist. Hier sei übrigens angemerkt, dass hier 7 auch tatsächlich 7 ist, da B&M eine innere und eine äußere Paginierung vornimmt, die innere betrifft die gesamte Seitenzahl der "Schule", wie "Geräusch" nur jetzt und sonst nie hier genannt wird, die äußere diejenige des jeweiligen Teiles. Hier und höchstwahrscheinlich sonst auch werde ich nach der inneren Paganierung zitieren. Falls nicht, wird das unter Umständen angegeben.) "So sei es also ein Mäandern" (auch auf S. 7).

5Siehe das Video auf http://vimeo.com/42372767.

6 Neil Gaiman: 'Make Good Art' speech. New York: HarperCollins 2013. Dieses Buch hat keine Seitenzahlen. Natürlich hätte ich nun die Seiten abzählen können und mein Ergebnis dann hier anführen. Doch gibt es einen Grund, warum dieses Buch vom Buchdesigner Chip Kidd ohne Seitenzahlen gemacht wurde. Und deshalb gibt es auch einen Grund, warum ich zu diesem Zitat keine Seitenangabe mache.


7Ich verwende in diesem Text für Formulierungen, mit denen ich alle möglichen Geschlechtsformen meine, die weibliche.

8 Susan Sontag: Gegen Interpretation (Against Interpretation). In: dies.: Kunst und Antikunst. 24 literarische Analysen. Deutsch von Mark w. Rien. 10. Aufl. Frankfurt/ Main: Fischer Taschenbuch 2012. S. 11-22. Ich verwende die deutschsprachige Ausgabe, weil ich diese gerade neben mir liegen habe. Zitat von S. 16.

9 Ebbe, 18.

10 Genau da, 22.

11 Nochmals da, auch gleiche = idente Seite.

12 Auf die Richtigen, wie ich meine.

13 Falls das noch nicht klar geworden ist: Mit respektlos meine ich hier frei von Bildungs- und/oder Ausbildungsnormativen. Tatsächlich ist der Begriff insofern hier fehl am Platz, als die Bildungs- und Ausbildungsnormative selbst respektlos sind, und zwar gegenüber jener Kunst, die sie vorgeblich deuten und erklären, tatsächlich aber zu bändigen versuchen, mit aufgepropften Kategorien und sonstigem Teufelswerk.

14 Vgl. hierzu bzw. zu den in Fn25 erwähnten "Aneignungsprojekten" die Solo-CDs "schubert:winterreise:mütter" (2001), "muetters muellerin" (2006), "muetters dichters liebe — nach schumann nach heine" (2007), "mütterkinderlieder — nachmahler" (2011). Mehr dazu auf www.muetter.at.

15 Ein Lieblingszitat Mütters ist von John Cage und lautet: "I can't understand why people are frightened of new ideas. I'm frightened of the old ones." (nach und in Geräusch, 53, 148 und vielleicht sonst auch noch irgendwo)

16 Mütter macht sich allerdings selbst Regeln: "Ich misstraue dem melodisch-rhythmischen Einfall und liebe es, mir die musische Inspiration durch sehr willkürlich erfundene Regeln abnehmen zu lassen." (Geräusch, 53)

17 Ist nicht jede Überschreitung auch eine Verbindung? Und ist eine Grenze tatsächlich nur dann existent, wenn man sie überschreiten kann, wie Foucault das in seiner "Vorrede zur Überschreitung" meint? Oder kann es auch eine grenzenlose Überschreitung geben? [O ihr endlosen pseudophilosophischen Fragesätze.] Vgl. nicht unbedingt dazu Michel Foucault: Vorrede zur Überschreitung. In: ders.: Von der Subversion des Wissens. Hrsg. u. a. d. Franz. und Ital. übertr. v. Walter Seitter. M. e. Bibliogr. d. Schriften Foucaults. Frankfurt/Main: Fischer 1987. S. 28-45.

18 Geräusch, 8.

19 Zu diesem Neologismus möchte ich nichts sagen. Ich bin nicht glücklich damit, ja finde ihn richtiggehend scheiße, aber etwas Besseres ist mir auch nicht eingefallen. ... Allerdings, je länger ich ihn betrachte, desto weniger schlecht kommt er mir vor. Ja, wenn ich ehrlich bin, schön langsam gefällt er mir sogar. Trifft schon ganz genau, was ich sagen will. Würde ich mir auch zu Hause in einen Text stellen. Doch egal, mir fällt gerade etwas Anderes ein: Warum ist im Begriff Diskussion ein "Kuss" enthalten, wenn wir uns bei Diskussionen doch niemals küssen? Dir (s. Fn 36) erscheint diese Frage kindisch, banal, idiotisch, ungehörig? Dann sollst du mich niemals küssen. Und andere mir bekannte und/oder (= u/o) unbekannte Personen auch nicht. Bääh!

20 Der wissenschaftstheoretische Anarchismus ist Feyerabends Gegenentwurf zum kritischen Rationalismus Popper'scher Prägung. In seinem viel zu wenig gelesenen und gelehrten Klassiker "Wider den Methodenzwang" schreibt Feyerabend dazu: "Ein theoretischer Anarchist ist wie ein Geheimagent, der das Spiel der Vernunft mitspielt, um die Autorität der Vernunft (der Wahrheit, der Ehrlichkeit, der Gerechtigkeit usw.) zu untergraben." In: Paul Feyerabend: Wider den Methodenzwang. 13. Aufl. Frankfurt/Main: Suhrkamp Taschenbuch 2013 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft 597), S. 38.

21 Paul Feyerabend: Wissenschaft als Kunst. Frankfurt/Main: Suhrkamp 1984 (= edition suhrkamp 1231. Neue Folge Band 231). S. 8. Ab jetzt "WaK".

22 Ebenda, d.h. WaK, 49.

23 Feyerabend sieht die vorherrschende Form wissenschaftlicher Exklusions- und Inklusionsweisen im Kontext "totalitären Denkens" (WaK, 106)

24 Vgl. hierzu Thomas S. Kuhn: The Structure of Scientific Revolutions. 4th Edition. With an Introductory Essay by Ian Hacking. Chicago & London: The University of Chicago Press 2012. Ich verweise auf die englische Ausgabe, weil ich sie gerade neben mir liegen habe.

25 Mütter riskiert oft und viel mit seinen "Aneignungs-Projekten" (Geräusch, 18), mit seiner "Ungeniertheit, mir Musik anzueignen" (22), gerade auch, weil er hierfür seine Posaune gebraucht, ein "Instrument, für das diese Werke (und das für diese Werke) nicht vorgesehen [...] wurde" (ebendada, 19). Die überschaubare Anzahl an Kompositionen für die Posaune hat einen "Vorteil, denn ausbildungsbedingtes Erschaudernmüssen vor ihr gewidmeten Meisterwerken kenne ich nicht." (ebenda, 23) Dass man sich mit einem solchen risikofreudigen Zugang vielleicht die Institutionalisierung als akademischer Obrigkeitsdiener verbaut oder zumindest erschwert, mag so sein. Jede hat die Wahl. Oder auch nicht. ... Jedenfalls weiter: "Tradition ist die Weitergabe des Feuers, und nicht die Anbetung der Asche." (da, 23; der Ursprung des Spruches ist ungewiss, vielleicht hat er mit Laurel & Hardy zu tun, vielleicht auch mit Gustav Mahler, aber ist doch egal, oder?) Und weiter: "Ich antworte dem Ruf von Schuberts Musik und Müllers kraftlosem Helden mit meinen heutigen, sehr persönlichen, vielleicht auch verstörenden Sprachen. Im Idealfall ohne Scheu, Hemmungen oder vorauseilende Selbstzensur." (hepta, 23-24)

26 WaK, 169.

27 Max Weber: Wissenschaft als Beruf. In: ders.: Wissenschaft als Beruf 1917/1919. Politik als Beruf 1919. Studienausgabe der Max-Weber-Gesamtausgabe Band I/17. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1994. S. 1-23, hier S. 9. Ich verweise auf die deutschsprachige Ausgabe, weil sie das Original ist. Und natürlich weil ich sie neben mir liegen habe.

28 Geräusch, 141.

29 "Weil nur das Abweichen bringt uns zu Neuem." (Geräusch, 50)

30 Denn natürlich kann man nicht nur fremde, sondern auch eigene Texte domestizieren. Zum Beispiel mit der strikten Einhaltung einer (sich selbst vorgenommen habenden) Methode oder Theorie, die einem beim Schreiben zwar immer mehr entgleitet, ja wie natürlich immer mehr in den Hintergrund rückt, die man jedoch — man hat es sich schließlich vorgenommen — immer wieder in den Vordergrund drückt, obwohl sie doch, die Methode, die Theorie, sie wüsste es selbst, dort gar nicht hingehört.

31 "Now they know how many holes it takes to fill the Albert Hall." (A Day in the Life, The Beatles, und ja, ich weiß, den Song haben Lennon und McCartney gemeinsam geschrieben, trotzdem ist mir die Vorstellung unmöglich, dass die zitierte Zeile von jemand anderem als John Lennon stammt.)

32 Wen diese Art meines Schreibens spätestens an dieser Stelle nervt, möge mir einen Brief schreiben: Gerald Lind, Technikerstraße 3/7, 8010 Graz. Wen sie schon früher genervt hat, möge mir ebenfalls einen Brief schreiben. Wen sie jetzt noch nicht nervt, aber später, möge mir ebenfalls einen Brief schreiben. Wer mir keinen Brief schreiben möchte, möge mir keinen Brief schreiben. Wer glaubt, dass diese Art des Schreibens irgendwie mit dem Geschriebenen selbst zusammenhängt, soll mich anrufen: 43 699 1000 4728. Vielleicht hebe ich ab.

33 Warum möchte ich nur immer nach M schreiben: "Eine Stadt sucht einen Mütter".

34 Angst vor Kalauern wie demselbigen ist übrigens nicht angebracht. Zumindest nicht mehr als vor Karlauern. Grazerinnen wissen Bescheid.

35 Jedenfalls aber reimt sich "defecto" auf "adiecto" und — wie wir seit dem Jahrhundertbuch "Meister Eder und sein Pumuckl" (1965, weitere Bände ff.) von Ellis Kaut wissen — "Was sich reimt, ist gut!"

36 Vgl.: Macht es für dich (ich darf doch du sagen, jetzt, wo du schon so viel von mir gelesen hast, liebe Leserin du!) einen Unterschied, ob ich beim Schreiben dieser Sätze gerade Karlheinz Stockhausens "Klavierstück X" höre oder "Secret Love" von den Bee Gees? (Vielleicht höre ich das ja sogar hintereinander, solche Menschen gibt es, auch wenn einem so jemand in einem Roman ziemlich unrealistisch erscheinen würde, nicht? Außer man betrachtet unrealistisch als das neue Realistisch. Not to be continued.)

37 Geräusch, S. 81.

38 Nicht das einzige im Mütter'schen Oeuvre.

39 Geräusch, S. 86.

40 Ich muss jetzt auch einmal die wunderbare Ausstattung von "Geräusch" loben: Schuber, Gestaltung der Einzelbände, Druck von Partituren, Fotografien, visuellen Gedichten (ab acia et acu), die vier beigelegten CDs, alles ist von vorzüglicher Qualität, mitverursacht von Mütters KomplizInnen Michael Atteneder und Katharina Höfler. Übrigens: "Auflage: 56 Stück, handsigniert, unterteilt in 50 durchnummerierte (1-50) und 5 Vorzugsexemplare (I-V), sowie ein Exemplar zur Verwahrung in der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB)." So nachlesbar im Impressum jedes einzelnen und einzeln signierten "Geräusch"-Teiles.

41 Ebendort, S. 133.

42 Geräusch, 52.


 
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