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Ausgabe 1/2013



So abgegriffen wie nützlich — Facetten von Jargon und Klischee

Wissenschaftliche und künstlerische Ausdrucksformen sind sich darin einig, dass sie über das Klischee, den Jargon oder den Gemeinplatz hinausgehen. Wenn in einem Roman in verlassenen Dörfern Hunde bellen oder der Regen an die Scheiben klopft, wenn jemand weint, vermutet die kundige Leserschaft Ironie. Wissenschaft versteht sich sogar explizit als Abkehr vom common sense und den Worthülsen der Alltagssprache. Die wissenschaftliche und die künstlerische Sprache besitzt hingegen auch ihre eigenen Sozioloekte, die sie nicht gerne thematisiert. Beide Aspekte, die unkritische wie auch die kritische Frag-Unwürdigkeit bergen ähnliche Probleme: Wie arglos soll mit solch fraglos benutzten Vorstellungen und Ausdrücken umgegangen werden — oder läuft auch die Maxime, Klischees zu vermeiden, auf einen klischeehaften Gemeinplatz hinaus, da es ohne sie gar nicht geht?

Wie gewohnt sind wir auf der Suche nach essayistischen Beiträgen (im weitesten Sinne des Wortes) zum Thema, aus Theorie, Literatur, bildender Kunst: Reflexion, Lyrik, Bildmaterial — und freuen uns auf Ihre Beiträge!


  "Es wäre gut, eine neue Sprachwissenschaft zu imaginieren; sie würde nicht mehr den Ursprung der Wörter oder Etymologie, ja nicht einmal ihre Verbreitung oder Lexikologie studieren, sondern ihr fortschreitendes Hartwerden, ihr Dickwerden im Verlauf des historischen Diskurses; diese Wissenschaft wäre zweifellos subversiv, sie würde mehr als den historischen Ursprung der Wahrheit aufzeigen: ihre rhetorische, sprachbezogene Natur."
(Roland Barthes: Die Lust am Text, Suhrkamp 2010, 56)



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