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So abgegriffen wie nützlich — Facetten von Jargon und Klischee
Wissenschaftliche und künstlerische Ausdrucksformen sind sich darin
einig, dass sie über das Klischee, den Jargon oder den Gemeinplatz
hinausgehen. Wenn in einem Roman in verlassenen Dörfern Hunde bellen
oder der Regen an die Scheiben klopft, wenn jemand weint, vermutet die
kundige Leserschaft Ironie. Wissenschaft versteht sich sogar explizit als
Abkehr vom common sense und den Worthülsen der Alltagssprache.
Die wissenschaftliche und die künstlerische Sprache besitzt hingegen
auch ihre eigenen Sozioloekte, die sie nicht gerne thematisiert. Beide
Aspekte, die unkritische wie auch die kritische Frag-Unwürdigkeit
bergen ähnliche Probleme: Wie arglos soll mit solch fraglos benutzten
Vorstellungen und Ausdrücken umgegangen werden — oder läuft auch die
Maxime, Klischees zu vermeiden, auf einen klischeehaften Gemeinplatz
hinaus, da es ohne sie gar nicht geht?
Wie gewohnt sind wir auf der Suche nach essayistischen Beiträgen (im weitesten Sinne des Wortes) zum Thema, aus Theorie, Literatur, bildender Kunst: Reflexion, Lyrik, Bildmaterial — und freuen uns auf Ihre Beiträge!
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"Es wäre gut, eine neue Sprachwissenschaft zu imaginieren; sie würde nicht mehr den Ursprung der Wörter oder Etymologie, ja nicht einmal
ihre Verbreitung oder Lexikologie studieren, sondern ihr
fortschreitendes Hartwerden, ihr Dickwerden im Verlauf des
historischen Diskurses; diese Wissenschaft wäre zweifellos
subversiv, sie würde mehr als den historischen Ursprung der Wahrheit
aufzeigen: ihre rhetorische, sprachbezogene Natur." (Roland Barthes: Die Lust am
Text, Suhrkamp 2010, 56)
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