Call for Contributions
Ausgabe #16 (1/2017)



Traum-Aufzeichnungen

Über Jahrhunderte hinweg galten Träume nicht nur als das Produkt einer individuellen, deregulierten Einbildungskraft, sondern als Zeichen und Botschaft höherer Mächte, die nicht selten Einfluss auf gesellschaftliche und politische Realitäten hatten. Erst seit dem 18. Jahrhundert unterstehen Träume einem anderen Willen zum Wissen, der sich ihnen empirisch und mit wissenschaftlichem Anspruch zu nähern versucht. Erfahrungsseelenkunde, Psychoanalyse und Neurowissenschaften stehen dabei grundsätzlich noch immer vor ähnlichen Herausforderungen wie die Literatur, in der das Traumprotokoll spät, etwa seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts, eine eigenständige Form gewinnt: Sie alle versuchen einer Erfahrung habhaft zu werden, die sich in ihrer Bedeutung und Erlebnisqualität einer validierbaren, intersubjektiven Analyse wesensmäßig entzieht. Dies hat zur Folge, dass in jedem Versuch, Träume aufzuzeichnen, die Mittel und Techniken des jeweiligen Protokollierens unweigerlich mit den (latenten oder manifesten) Trauminhalten interferieren: das Traumprotokoll ist somit unweigerlich ein Ort, wo sich künstlerische Formgebung und deren Reflexion überschneiden, sich gegenseitig beflügeln und bezähmen müssen, um sich den vermeintlichen "Gehalt" des Traumes ansatzweise zu erschließen. Eine Aufzeichnung im wörtlichen Sinne also, deren Umsetzung ein Scharnier bildet zwischen individueller und gesellschaftlicher Traumarbeit, zwischen Strategien der Fiktionalisierung und der Faktualisierung. Triëdere #16 widmet sich daher den mannigfachen Strategien und Techniken in Wissenschaft und Kunst, die Träume zu materialisieren: um diese nicht nur intersubjektiv zugänglich zu machen, sondern auch die Deformationen und Restriktionen im Sinne des wahrheitsgetreuen Dokumentierens offenzulegen — und mit diesen zu spielen.


Einsendeschluss für Beiträge: 31. März 2017
Voraussichtlicher Erscheinungstermin: Ende Mai 2017
Einsendungen an: redaktion@triedere.com


 
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